Was ist Design Thinking eigentlich?

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In Episode 21 des Zipresso Impuls Podcasts war Franziska Toth zu Gast. Sie ist Expertin für Design Thinking und unterstützt Unternehmen bei der kreativen Ermittlung von Anforderungen und Kundenwünschen. Der Podcast ging um ihr Thema und liefert zahlreiche Tipps und Tricks in der Anwendung von Design Thinking.

Was ist eigentlich Design Thinking? Das Interview!

Zu Gast war Franziska Toth. Das Interview hat Patric Eid geführt und hier sind die wesentlichen Fragen und Antworten nochmal zusammengefasst.

Franziska, möchtest du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Franziska Toth, ich bin IT-Consultant und ich zeige Software-Dienstleistern in Beratungen und Workshops, wie sie einfach und strukturiert Design Thinking in ihren Projekten einsetzen können, um Lösungen zu liefern, die genau die Bedürfnisse der Nutzer*innen erfüllen und dadurch gleichzeitig Mehraufwände drastisch reduzieren können.

Ich mache Design Thinking greifbar und alltagstauglich anwendbar, auch für kleinere IT-Dienstleister und Software-Entwicklungsteams.

Wie bschreibst du Design Thinking in 2 Sätzen?

Design Thinking ist eine Methode in der Produktentwicklung, bei der der Mensch, also der spätere Nutzer, im Zentrum aller Ideen und Lösungen steht.

Wir gehen damit weg von der Denkweise ausgehend von Prozessen oder Produkten hin zu einer wirklichen und nachhaltigen Auseinandersetzung mit den wahren Problemen und Bedürfnissen unserer Kunden bzw. den Nutzern unserer Produkte und Dienstleistungen.

Annahme: du bist in einem Unternehmen, das Anforderungen eher klassisch aufnimmt. Wie würdest du das Unternehmen von Design Thinking überzeugen können?

Das Ziel von Design Thinking ist es, Innovation planbar und strukturiert zu schaffen, um wettbewerbsfähig zu bleiben bzw. einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen, indem man zusammen mit den Nutzer:innen Produkte entwirft und weiterentwickelt. Der Vorteil bei der Nutzung von Design Thinking bei diesem Vorhaben ist es, dass man eine klare und strukturierte Vorgehensweise und ein großes Toolset an Methoden an die Hand bekommt, mit der man seine Nutzer:innen wirklich verstehen lernt, die wahren Probleme heraus-arbeitet und dann mit verschiedenen Kreativitätstechniken im Team Ideen zur Lösung entwickelt.

Das Problem bei der klassischen Anforderungsanalyse ist, dass die Nutzer:innen und die Problemstellungen nicht tief genug betrachtet und analysiert werden. Man fliegt da eher so drüber und denkt zu schnell in altbekannten Lösungen. Da kann es dann mal schnell passieren, dass man seine Produkte und Dienstleistungen an den Nutzer:innen vorbei entwickelt.

Das sorgt für weniger Verkäufe und man überlässt im schlechtesten Fall der Konkurrenz seine Kunden. Immer mehr Unternehmen haben die Chance im Design Thinking für sich erkannt und nutzen diese gekonnt. Wenn man da nicht mithält, wird man früher oder später abgehängt und endet wie Kodak, die partout nicht akzeptieren wollten, dass Digitalkameras die Zukunft sind. Nur weil die Dinge jetzt gerade noch so funktionieren, wie man sie tut, heißt das nicht, dass sie morgen noch genauso funktionieren.

Die Märkte verändern sich laufend und auch die Menschen und deren Bedürfnisse und Ansprüche ändern sich ebenfalls laufend. Als Unternehmen muss man strategisch in die Zukunft denken und Methoden wie Design Thinking helfen dabei, den wachsenden Ansprüchen auch gerecht zu werden.

Wozu dient die Umsetzung eines Prototypen?

Prototypen sind meiner Ansicht nach für genau 2 Dinge gut: Entweder man überprüft mit einem Prototypen die technische Machbarkeit einer Idee ODER man überprüft am lebenden Objekt, in dem Fall der spätere Nutzer unserer Zielgruppe, ob das Produkt, das man da gerade entwickelt, auch wirklich seine Probleme löst, Bedürfnisse erfüllt UND dabei verständlich ist.

Wir sind da also auf zwei Ebenen unterwegs, was die Prototypen angeht: Einmal grobe Überprüfung, ob die Idee überhaupt auf Anklang stößt und Potenzial hat weil sie das Problem löst. Und zweitens klären wir damit direkt auch Usability-Fragen.

Denn wenn ein Produkt zwar ein Problem löst aber der Nutzer an einer entscheidenden Stelle bei der Benutzung scheitert, bringt das tollste Produkt nicht den Nutzen, den es eigentlich wert ist. Und das ist obendrein absolute Potenzial- und Ressourcen-Vergeudung aus meiner Sicht.


Jetzt kann man natürlich sagen, wenn man nach SCRUM entwickelt und in kleinen Iterationen immer wieder ein funktionierendes Produkt ausliefert, kann man sich das Prototyping sparen. Dem ist aber nicht so. Wenn man ein Projekt nach SCRUM umsetzt, ist das BIG PICTURE des Ergebnisses bereits relativ stark festgelegt. Nutzt man Prototypen in einer sehr frühen Phase des Projektes, gibt man Lösungsansätzen und Ideen viel mehr Raum zu wachsen und sich zu entwickeln.

Durch Prototypen holt man sich GRUNDLEGENDES Feedback zur Produkt-Idee ab. Im SCRUM-Prozess geht es dann in die Detail-Sicht auf das Produkt. Beides ist meiner Meinung nach wichtig und notwendig, um richtig gute Produkte zu entwickeln.

Welche Schritte sind aus deiner Sicht wichtig, wenn ein neues Projekt aufgesetzt wird?

Im ersten Schritt sollte man sich genügend Raum für die Produktvision und die strategischen und unternehmerischen Ziele für das Projekt geben. Erst wenn das klar ist, kann man damit beginnen, die grobe Problemdefinition des Projektes und die zukünftigen Nutzergruppen auszumachen.

Dabei ist es wichtig, die Problemdefinition an der Stelle noch relativ offen zu halten, aber schon tief in die Nutzergruppen zu gehen. Im dritten Schritt sehen wir uns die Nutzergruppen genauer an. Wir tragen alle Informationen und Annahmen über die Nutzergruppen zusammen und erstellen daraus sogenannte Personas, also Beschreibungen über “typische” Nutzer.

Dann kommt der Reality-Check: Stimmt das, was wir hier zusammengetragen und uns überlegt haben auch mit der Realität überein?

Das kann man nur herausfinden, indem man im 4. Schritt hin geht und mit Interviews, Beobachtungen usw. in Kontakt tritt mit den Nutzern und auch – wenn möglich – in deren Fußstapfen tritt. Diese Informationen, entsprechend aufbereitet, bilden nun die Basis, um die Problemstellungen sauber herauszuarbeiten.

In Kürze:

  1. Produktvision, strategische und unternehmerische Ziele für das Projekt
  2. Problemdefinition (offen formulieren) + zukünftige Nutzergruppen (detailliert benennen)
  3. Nutzergruppen analysieren, Informationen + Annahmen sammeln, Personas erstellen
  4. Reality-Check (Interviews, Beobachtungen, in die Fußstapfen der Nutzer treten)
  5. Problemanalyse und -definition
  6. Ideenfindung
  7. Prototyp + Test

Wenn ich mehr zu Design Thinking erfahren möchte, was kannst du mir dazu empfehlen?

Zum einen kann man mir auf LinkedIn folgen, da gebe ich sowohl auf meinem Profil als auch in meiner kostenfreien LinkedIn-Gruppe Design Thinking für IT-Projekte und Software-Dienstleister immer wieder Tipps und Tricks zum Design Thinking. Und auf meinem Blog, den man unter www.toth-consulting.de findet, gibt es in Zukunft viele ausführlichere Blog-Artikel über Design Thinking und dessen Anwendung in Software-Projekten.

Hast du darüber hinaus Empfehlungen für Bücher oder Trainings?

Einen groben Überblick über die Design Thinking Methoden, die man in IT-Projekten anwenden kann, geben Ingrid und Peter Gerstbach in ihrem Buch “Design Thinking in IT-Projekten”. Dort wird der Design Thinking Prozess beschrieben, einige Methoden vorgestellt und ganz am Ende gibt es noch ein paar kleine Beispiele, wie man an verschiedenartige IT-Projekte herangehen kann.

Generell gibt es viele Bücher, in denen die Design Thinking Methoden und der Prozess im allgemeinen beschrieben sind. Dabei kann ich die beiden Bücher von Lewrick empfehlen, das Design Thinking Playbook und die Design Thinking Toolbox.

Und wer daran Interesse hat, die Abkürzung zu nehmen und meine speziell auf Software Projekte angepasste Design Thinking Methodik kennen zu lernen, der kann zu mir in die Beratung kommen, wo wir gemeinsam Schritt für Schritt das Design Thinking in das eigene Projekt-Management bringen.

Unterstützung für IT-Projekte?

Kontaktiere Patric oder Franziska per LinkedIn-Nachricht oder schreibe hier einen Kommentar, wenn du auf der Suche nach Unterstützung für deine IT-Projekte bist.

Und wenn du Interesse an der Projekt Impulswoche hast, findest du hier mehr Informationen darüber: Projekt Impulswoche der advitago academy.

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Patric Eid

Patric Eid

Als selbstständiger Projektberater und Trainer verhelfe ich Unternehmen zu mehr Klarheit und Struktur in ihrem Projektmanagement. Zudem unterstütze ich Projektleiter:innen und Product Owner in der 1:1-Arbeit als Agile und Business Coach. Meine Themenschwerpunkte sind Projektmanagement und Anforderungsmanagement. Zudem führe ich Anwender-Schulungen beispielsweise mit Jira, Confluence oder pqforce durch. Meine Seminare haben aufgrund von umfangreichen praktischen Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen und Projektrollen einen hohen Praxisbezug.

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Ein Gedanke zu „Was ist Design Thinking eigentlich?“

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